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Installation des McCoi (www.mccoi.de) an meiner Suzuki GSF 600 N Bandit

Die Bilder lassen sich mit einem Klick vergrößern, richtig große Bilder gibt es hier (ab DSL): große Bilder

Nach der ersten Kettenpflege an einem Motorrad spielt man sehr schnell mit dem Gedanken, diesen Vorgang irgendwie auf ein Arbeitsminimum zu reduzieren. Möchte man nicht gerade auf ein Motorrad mit Kardanantrieb umsteigen, so hilft eigentlich nur ein Kettenöler.

Nach ein bisschen Recherche bzgl. der auf dem Markt angebotenen Systeme habe ich mich recht schnell für den McCoi entschieden. Zu vergleichsweise moderaten Kosten bekommt man hier ein System dass mittels Mikrocontroller alle Unwägbarkeiten ausschließt. Es reagiert auf Regen, welcher einen erhöhten Schmiermittelverlust an der Kette bedingt, es wird nur bei ausreichender Geschwindigkeit geölt und die Schmiermittelmenge kann in weitem Bereich reguliert werden. Alles was fehlt wäre eine automatische Kettenschmierungszustandserkennung. Dies liegt aber außerhalb des bezahlbaren Bereichs. Obwohl....wenn man es schafft an einer bestimmten Stelle Reibkräfte aufzunehmen...Naja, kann sich ja mal jemand Gedanken machen.

Wer sich den McCoi anbauen will muss ein wenig Geschick im Handwerklichen Bereich mitbringen. Die mechanische Installation ist meiner Meinung nach zwar die konzeptionell/kreativ schwierigere, dafür handwerklich nicht allzu anspruchsvoll. Das Bestücken und verlöten der Platine sowie der Perepherieteile wie Radsensor, Pumpe, Regensensor/schalter setzt entweder Erfahrung in diesem Bereich, Mut oder einen Kumpel der so etwas kann vorraus.

Um eines vorwegzunehmen: Das Projekt ist sozusagen „opensource“, vom Platinenlayout über den Code für den Mikrocontroller bis zu dessen Programmierschaltung ist alles im Netz frei verfügbar. Allerdings halte ich, obwohl ich schon so einige Schaltungen selber geschnitzt habe, das angebotene Komplettpaket für so günstig, dass sich Eigeninitiative bei der Platinenherstallung oder der Bauteilbeschaffung kaum lohnen dürfte. Herzstück ist nun mal die Pumpe und die macht bereits die Hälfte des Komplettpreises von rund 90 Euro aus. Wer hat außerdem Lust x mal Porto für diverse Bestellungen zu zahlen? Und die Zeit für die Beschaffung...Mein Tip: Alles beim freundlichen McCoi Dealer Steffen Koberitz bestellen und damit in den Genuss seines überaus fürsorglichen Supports kommen!

Wenn also alle Teile sauber auf dem Küchentisch liegen und der Lötkolben auf Betriebstemperatur ist kann es losgehen. Die Widerstände sind zwar farblich codiert und eine entsprechende Dekodierschablone gibt's an jeder Ecke im Netz, aber ich empfehle trotzdem den Einsatz eines Multimeters zur Wertebestimmung. Solch ein Gerät ist im Prinzip sowieso von Nöten um eventuelle Fehler zu finden. Mit den Widerständen sollte man auch beginnen, da Sie die niedrigsten Bauteile sind. Danach vielleicht die Dioden etc... Bei den LEDs muss das längere Beinchen an plus! Ein bisschen kniffeliger wird die Sache erst wieder bei den Kondensatoren. Die beigepackten Typen passen nicht ganz so zur Aussehensbeschreibung der Aufbauanleitung. Auch das Elektronikerhandbuch konnte mir nicht wirklich weiterhelfen. Also die McCoi-Hotline angerufen und wie erwartet hat Steffen die Sache geklärt.
Schaut im Zweifelsfall mal auf das Foto meiner Platine, vielleicht habt ihr ja die selben Teile...

Der Rest ist ein Kinderspiel.
Bei der Wahl der kabelanschlüsse kommt man zum ersten mal in eine kreative Verlegenheit. Ich habe mich für den Einbau eines 9-ploigen Sub-D Steckverbinders (bekannt aus der PC-Technik, serielle Schnittstelle, COM x) entschieden.

Das Weibchen (Buchse) habe ich in die untere Gehäusehälfte eingepasst und mit den „oben Mutter unten Schraube“ Teilen verschraubt. Ein Stecker aus dem Elektronikladen um die Ecke nimmt die Kabel für Pumpe (2 Adern, aber eine geht direkt an +), Radsensor (2 Adern), Regensensor/schalter (2 Adern) und natürlich + und – der Betriebsspannung auf. Auf diese Weise ist die Elektronikbox mit wenigen Handgriffen aus dem Moped entfernt, wofür auch immer. Es ist einfach doof wenn alles immer untrennbar verbunden ist, Erfahrungswert!
Den Regensensor habe ich mir gespart und durch einen Schalter ersetzt. Der schaltet wahlweise 150 Ohm oder 10 MegaOhm über die zwei Regensensor-Adern. Warum? Ich hatte keine Lust noch einen guten Platz für den Sensor zu suchen. Außerdem weiß man nie, was der Sensor gerade für ein Signal liefert und den Regen wirklich erkennt. Ich gehe da auf Nummer sicher mit dem Schalter. Ich erkenne sicher wenn es regnet ;-) Der Schalter wird später noch zusammen mit 2 LEDs ins Cockpit eingebaut, sodass der Status direkt an den LEDs ablesbar ist.

Wenn die Schaltung steht sollte man alles mal testweise verdrahten und auf Funktion testen. Ob die Pumpe läuft kriegt man ohne Fluid nur raus, indem man mal dran horcht während man den Taster auf der Platine zum Vorpumpen drückt. Ein leises Tackern verrät die einwandfreie Funktion.
War dieser Test von Erfolg gekrönt, dann geht's mit dem ganzen Kram ans Moped.

Als erstes sollte man die Elektronikbox platzieren und die Versorgungsspannung klar machen. Ich habe zu letzterem das Kabel der Kontrolleuchten HINTER der Sicherung (oberes Kabel bei montiertem Sicherungskasten) durchtrennt und mit einer Lüsterklemme wieder verbunden wobei hierbei natürlich noch das Pluskabel für die Schaltung mit Verbindung fand. Das Pluskabel ist übrigens Sicherungskabel, sprich es ist eine Sicherungshalterung für eine Glasröhrchensicherung eingebaut. Ich habe die Schaltung mit 1,6 A abgesichert, Steffen empfiehlt 1 A. Aber im Prinzip spielt das keine Rolle, denn ein Kurzschluss knackt beide ;-)

Minus kommt bisher direkt von der Polklemme an der Batterie. Eigentlich unkritisch aber nicht wirklich elegant. Werde da auch nochmal drüber nachdenken, für den ersten Einbau aber empfehlenswert.

Wenn die Schaltung also Betriebsspannung hat, kann der Radsensor platziert werden. Ich tat dies auf der Innenseite der Schwinge, vor der Achse. Der Magnet haftet auch ohne Kleber auf dem Kettenrad, sodass man die Funktion leicht Testen kann. Dreht man das hinter Rad, so muss die Reed-LED auf der Platine blinken. Den Sensor habe ich mit Textiltape fixiert und sicherheitshalber nochmal einen Kabelbinder drüber gezogen. Ist natürlich nix für die Optik, führt aber schnell zu gutem Erfolg. Grundsätzlich ist ja wie gesagt die Montage der Teile am Moped viel schwieriger als die Lötaufgabe selbst!

Funktioniert der Radsensor entfettet man das Kettenrad an der entsprechenden Stelle gründlich mit Spiritus und klebt den Magneten mit 2-Komponentenkleber (Epoxidharz) fest. Das Kabel des Sensors führt man irgendwie dorthin wo die Box sitzt. Achtung: Man beachte den Federweg der Schwinge!

Als nächstes kommt das aller schwierigste, die Positionierung der Ölaustrittsöffnung. Beim McCoi liegen auf Wunsch Kanülen von medizinischen Spritzen bei. Diese scheinen durchaus geeignet.

Exkurs: Korrekte Schmierung einer Motorradkette mittels Kettenöler
Um die Kette möglichst gleichmäßig zu ölen, reicht es nicht das Öl direkt auf die Rollen tropfen zu lassen. Dann würden einige Rollen sehr gut, andere eher gar nicht geölt werden. Besser ist es, das Öl indirekt über das Kettenrad auf die Kette aufzubringen. Man platziert die Kanüle so, dass der Austritt so dicht wie möglich am Kettenrad ist, dieses allerdings nicht berührt. Das Öl wird so auf das Kettenrad tropfen und durch die Fliehkräfte nach außen auf die Kette laufen. Diese Variante hat sich wohl schon zigfach bewährt. Die Montage am Kettenritzel böte zwar fast immer eine unauffälligere Montage, aber die beschriebene indirekte Schmierung ist hier kaum zu realisieren. Alles hat halt auch seine Nachteile, in diesem Falls unter Umständen optische Makel.

Wie man letztlich die Kanüle ans Kettenrad bringt ist eben die Schwierigkeit. Ich habe mich für eine Konstruktion entschieden, bei der ich ein Alublech mit der Kanüle verklebe. Außerdem bieten entsprechende Bohrungen halt für die Kabelbinder die den Schlauch halten. Der umgekehrte Siffon in meinem Schlauch stellt sicher, dass die Ölmenge die schlimmstenfalls Nachtropfen kann sehr gering ist. Das Alublech schraube ich mit der hinteren Schraube für die Kettenschutzbefestigung mit fest. Näheres am besten den Bildern entnehmen.


Diese Lösung zwingt mich nicht irgendwas untrennbar mit der Schwinge zu verbinden. Es sieht zwar besch....eiden aus, aber es funktioniert und lässt sich schnell und ohne Rückstände abbauen. Änderungen vorbehalten. Falls einer da was schönes erfindet, bitte unbedingt mail an mich:
Sascha.Schmel@gmx.de Idealerweise bastelt man gleich einen geilen Kettenschutz der entsprechend vorbereitet ist!

Ein kompromiss könnte das Verkleben der Teile mittels Silikon mit der Schwinge darstellen. Das kann im Ernstfall restlos abgerubbelt werden. Mir ist sowas aber zu labberig. Ich stehe drauf wenn man die technischen Details erkennen kann ;-) ! OK, lahme Entschuldigung aber egal...

Nun verlegt man den dünnen Silikonschlauch von der Kanüle bis dahin, wo man die Pumpe befestigt. Momentan habe ich Pumpe und Tank noch im Handschuhfach unter der Sitzbank untergebracht. Langfristig wird diese zusammen mit dem Tank unter die linke oder rechte Seitenverkleidung wandern. Solange das ganze noch in der Testphase ist, ist es ganz praktisch alles schön zugänglich zu haben.

Zwischenzeitlich hat sich gezeigt, dass der Tank doch besser stehen sollte. In dieser Position habe ich Luft ins System bekommen! Außerdem muss der Tank natürlich belüftet werden. Dazu im Zweifelsfall ein Stück Schlauch auf die Betankungsöffnung machen und diese hochlegen, damit nix rausläuft!

Hinter die Pumpe kommt noch der Tank. Dessen Zusammenbau ist zwar nicht so schwer, aber ich habe trotzdem nochmal den Support bemüht, dessen Ausführungen ich euch nicht vorenthalten möchte:
Unten kleine Plastikscheibe,
mitte dicker Gummi
oben große Plastikscheibe.

Ein Loch für Ansaugung (mit beiliegendem Schlauch im Tank oder meinem
Silikonschlauch und am unteren Ende kegelförmiges "Pendel", verbunden mit
geradem oder gebogenem Messingröhrchen.

Zweites Messingröhrchen ohne Verlängerung nach innen für Belüftung (mit
Schlauch verlängern und an absolut höchste Stelle im Mopped befestigen,
damit kein Öl rausläuft).

Drittes Loch ist nicht durchgebohrt, kann evtl. als "Einfüllstutzen"
umgebaut werden, ist aber nicht notwendig.

Ach ja, Schraube von außen durch Stopfen und Plastikscheiben, innen mit
Mutter sichern. Achte darauf, dass der Messingring außerhalb des Tanks gut
sitzt, sonst presst der schwarze Gummi den Flaschenhals auseinander, wenn
Du die Schraube festziehst.

War ja auch irgendwie logisch ;-) Ich empfehle den Tank erst nach dem Befüllen zu verschrauben, sonst wird die erste Tankerei durch den Tankschlauch schon am Anfang fällig.

Wer den Regensensor einbaut muss sich dafür noch ein nicht trockenes Plätzchen suchen. Wie gesagt, ich hab'n Schalter und so...

Nochmal zu den Schläuchen: Der dicke dient jeweils zum Anschluss der Pumpenstutzen, mit den Kupplungen verbindet man dann den dünnen Schlauch mit dem dicken. Alle Schlauchverbindungen sind laut Steffen mit Silikon zu verkleben. Ich habs vergessen und bisher noch keine Leckage.

Nachdem nun alles Verbunden ist und nochmal per Akkustikkontrolle die Funktion der Pumpe geprüft ist kann der gefüllte Tank angeschlossen werden und die Pumpe mittels Taster angeschmissen werden. Im Idealfall füllt sich nun langsam der Schlauch. Ist die Ölsäule an der Kanüle angekommen, kann die Kanüle durch sachtes biegen genau so ausgerichtet werden, dass das Kettenblatt schön die Öltropfen an der Spitze mitnimmt.
Man erkennt die provisorische Natur der Befestigung. Aber solange noch nicht die optimale Einstellung der Ölfördermenge ermittelt ist, macht das Verschrauben des Plastikgehäuses und dessen Dauerhafte befestigung mit Kabelbindern nunmal keinen Sinn.


Juhu, nun geht's zur Probefahrt. Ich fahre im Moment mit Stellung 4 und „Regen“ und habe nicht das Gefühl, das zuviel Öl rauskommt. Mit der zeit werde ich die Menge reduzieren, aber erstmal muss die Kette ja schön eingeölt werden damit der alte Schmodder runterkommt. Steffen fährt im Moment wohl Stellung C!
Achso, das Öl: ich hatte noch literweise Kettensägenöl über, das wird jetzt erstmal verfahren. Getriebeöl, behelfsweise Motoröl, Spezial Motorradkettenöl... alles ist möglich. Zum Nachtanken sollte man sich eine sehr große Spritze besorgen und ein Reststück des dünnen Silikonschlauchs zum Verbinden des Tankstutzens mit der Spritze benutzen.

Ich kann ein gewisses Nachtropfen feststellen was mich aber nicht weiter beunruhigt. Nur wenn die Maschine auf dem Seitenständer steht, tropft es auf den Boden. Auf dem Hauptständer tropft es auf das Kettenrad. Ich führe das nachtropfen größtenteils auf meine langen Schläuche und die Temperaturänderungen zurück. Mit kurzen Schläuchen nehmen die Temperaturschwankungen zwischen Nachts und Tags geringeren Einfluss (Ausdehnung des Öls bei höheren Temperaturen). Natürlich könnte es auch von einer zu stark geölten Kette kommen, aber das kann ich mir im Moment bei mir noch nicht vorstellen. 

Fazit:
Das McCoi-System scheint mir sehr gut durchdacht und der Bausatz von Steffen Köberitz ermöglicht den Auf- und Anbau an einem Tag und das bei einem absolut fairen Preis! Mal wieder ein schönes Beispiel für „open source“!
Was die Montage der Teile am Moped angeht ist Kreativität gefragt, aber ein bisschen Spaß muss ja auch sein. Optikfetischisten haben es dabei deutlich schwerer als Funktionspuristen. Aber ich bin ja nicht der einzige der so etwas montiert hat, weiteres Anschauungsmaterial gibt es überall dort wo es Biker gibt ;-)

Ich hoffe dieser Bericht ermutigt euch zur Durchführung des McCoi-Anbaus an eurem Hobel, Kettenpflege ade!


stats4free.de